• Dominik Heimann

Experten im Mock Draft - wie zuverlässig sind sie?

Es geht wieder los! Wie jedes Jahr um diese Zeit werfen die Experten auf NFL Network, ESPN & Twitter mit ihren mock drafts um sich. Doch wer wird dieses Jahr der Treffsicherheit aus dem Draft 2021 in Cleveland am nächsten kommen?

Hierzu haben wir uns die Prognosen von 5 Analytikern und Journalisten der letzten zwei Jahre angeschaut und verglichen. Bewertet wird jeweils der “finale” mock draft und in zwei Kategorien:

  • Die richtige Reihenfolge (Den Spieler an die richtige Draftposition setzen)

  • Das richtige Team (Der Spieler wird vom “richtigen” Team gedraftet)


Matthew Tabeek

Wir Falcons kennen ihn alle. Er selbst beschreibt sich als “Redakteur und Autor, der ein gutes Urteilsvermögen für Nachrichten besitzt” und war der Insider für die Atlanta Falcons News der letzten Jahre. Wahrscheinlich kennen und lesen die meisten seine mock drafts und noch viel lieber seine Kolumne “straight from the Beek”.


Im mock draft von 2019 schnitt Matt Tabeek im Vergleich zu den vier Anderen sehr gut ab. Wenn es um die richtige Draftreihenfolge der Spieler geht, traf er 6 Mal den richtigen Spot in der Reihenfolge, lag aber dafür schon bei der ersten Platzierung falsch. So schob er beispielsweise Quinnen Williams an den first overall.

Bei der Teamzuweisung traf er auch sechs Mal richtig. So lag er unter anderem richtig, dass Daniel Jones wohl von den New York Giants gedraftet wird, verortete den Pick aber auf 17 statt 3. Den Falcons schob Matthew Tabeek den offensive tackle Andre Dillard zu, der am Ende bei den Philadelphia Eagles landete. Sorry Matt – keine Punkte von der Haus und Hof Franchise.

Richtig lag er innerhalb der Divison bei Devin White für die Tampa Bay Buccaneers und bei Brian Burns für die Carolina Panthers.

2020 war dann schon schwächer bei Matthew Tabeek. So tippte er gleich die ersten 3 in der Reihenfolge richtig, konnte das aber nur noch an 9. Stelle mit C. J. Henderson für die Jacksonville Jaguars nochmals wiederholen.


Minimal besser lief es für ihn bei der richtigen Zuordnung der Teams, da schaffte er es einmal weniger als im Vorjahr und kommt auf 5 richtig platzierte Spieler zu ihren Teams. Düsterer sieht es in der eigenen NFC South für ihn aus: Er traf weder für die Atlanta Falcons (Defensive tackle Derrick Brown) noch für die Divisions Rivalen ins Schwarze. Endresultat:


Chad Reuter

Für NFL.com steigt Chad Reuter seit 2000 jedes Jahr in den Ring. Er wurde 2007 als senior analyst für NFLdraftscout.com angestellt und hat seitdem mit CBS und NFL Network starke Bindungen für den Draft, Combine und den Senior Bowl geschaffen.

Trotz seiner vielen Jahre auf dem Gebiet hat er Insgesamt die wenigstens Treffer in den letzten beiden Jahren versenkt. 2019 schätzte er die Prospects auf den völlig falschen Rang in Runde 1 ein. So konnte er die Reihenfolge “nur” 2 mal richtig platzieren. Er war der


Einzige von den fünf hier genannten, der Nick Bosa nicht als overall 2. sah. Hier platzierte er Drew Lock, der letztendlich erst in Runde 2 an 42 gepickt wurde. Den Teams konnte er immerhin noch 3 mal den richtigen Spieler zuordnen. Den dirty birds gab er Christian Wilkins. Der defensive tackle wurde eine Runde vor den Falcons von den Miami Dolphins gedraftet.

Ein Jahr später in 2020 wiederholte Chad Reuter sein Kunststück. Wieder 2 in der Reihenfolge und 3 bei der Teamzuweisung. Auch hier: Kein richtiger ATL Tipp.

Endresultat

Mel Kiper

Er ist seit 1984 das Gesicht in Sachen Draft für ESPN. Der ehemalige general manager Ernie Accorsi von den Baltimore Ravens persönlich ermutigte ihn dazu Draft Analytiker zu werden. Und wie sieht seine Statistik aus? Konstant!

Wie viele sah auch er als first overall 2019 Kyler Murray für die Arizona Cardinals, womit der Punkte für Team und Reihenfolge bekommt. In der Reihenfolge schaffte er noch fünf weitere Punkte, ebenso in der Teamwahl wo er zB. Ed Oliver bei den Buffalo Bills an 9 sah. Den Falcons gab er (Wie Chad Reuter) Christian Wilkins.

Eine Wiederholung davon gab es 2020. Selbe Punktzahl in Reihenfolge und Teamwahl. Ein wenig ins Schleudern geriet er als er als einer der Wenigen, Jeff Okudah an 3 nicht bei den Detroit Lions sah sondern Derrick Brown. Dafür ordnete er als einziger Justin Herbert und Tua Tagovailoa den Chargers und den Dolphins beiden richtig zu. In Atlanta sah er Linebacker K’Lavon Chaisson – Atlanta bräuchte neben Dante Fowler einen Edge Rusher....

Endresultat


Daniel Jeremiah

Bei seinem Arbeitgeber NFL Network wird er als “Draft Guru” bezeichnet und für die letzten beiden Draftjahre ist er das mit Abstand auch zu recht! Niemand von den Fünf tippte besser.

In 2019 tippte er starke 9 Spieler auf ihre richtige Platzierung und das nicht nur am Anfang. An 24 tippte er, dass Josh Jacobs von den Las Vegas Raiders gedraftet wird – Punkte in Reihenfolge und Team. Den richtigen Teams lotste er ebenso 9 mal den richtigen Spieler zu. So unter anderem auch an 15 Dwayne Haskins bei dem Washington Football Team.

Auch im letzten Jahr drehte Jeremiah auf. Wieder 9 Spieler in der Reihenfolge und wie im Jahr zuvor auch: die ersten drei richtig. Schwächer als zuvor ordnete er “nur enttäuschende” 8 Spieler der richtigen Franchise zu. Anders als bei Mel Kiper haben hier Herbert und Tagovailoa die Küsten getauscht und auch er gab wie Tabeek den Falcons


Derrick Brown.

Endresultat

Und in Deutschland? Viele größere Seiten haben die letzten Jahre abgekupfert, unseriös oder sind nicht mehr auffindbar. Ich habe mich stellvertretend deswegen für folgenden entschieden:


Adrian Franke

Bekannt vor allem durch einen der populärsten Football Podcast in Deutschland. Down, Set, Talk! Ist dieses Jahr unter anderem sogar für den Sportjournalistenpreis nominiert. Er ist Buchautor und Journalist bei Spox.

Wenn man sich seinen 2019 mock draft anschaut muss er sich auch nicht hinter seinen amerikanischen Kollegen verstecken. In der Reihenfolge schlug er 4 mal richtig zu und hatte sogar die Tendenz sich 5 Punkte zu holen. Er vermutete richtig, dass Ed Oliver von den Bills begehrt ist spekulierte aber auf einen Trade der Lions mit den Falcons.


Dafür schlug er dann bei der Franchisewahl nochmal ordentlich zu: 6 mal richtig! “Jedoch” gingen zwei seiner Tipps erst in Runde zwei auf: Drew Lock sah er als Pick No. 3 & Jawaan Taylor an 7. Beiden gingen in späteren Runden richtigerweise an die Denver Broncos & Jacksonville Jaguars.

Ein wenig ins schwächeln kam er 2020. So verlor er doppelt Punkte obwohl er beispielsweise Okudah richtigerweise bei den Lions sah, aber durch einen Trade mit den Chargers, die sich dann ebenso richtig für Justin Herbert entschieden, die Platzierungen tauschte. Quasi Glück im Unglück. Allgemein packte ihn 2020 so richtig die Lust und er verortete viele Trades in seinem mock draft. So schob er auch unsere Atlanta Falcons hoch auf 10 um sich Saftey Isaiah Simmons zu sichern.

So bewies Adrian Franke zwar abermals ein sehr gutes Gespür dafür, welches Team die Spieler für ihre Needs draften würden und nur in der Draftreihenfolge war er zu oft an falscher Stelle. Ich denke, wenn er diesjährig seinen mock draft mit weniger Trades schmückt, würde er mehr Punkte erzielen.

Endresultat


Endplatzierung



Fazit & Disclaimer

Vorweg: Dieser Artikel ist natürlich reine Spielerei. Keinem der oben genannten wird irgendwelche Sach- oder Fachkunde abgesprochen. Das Bewertungssystem ist rein subjektiv und unterliegt keiner Studie oä.

Wie sich also schließen lässt ist ein mock draft keine genaue Mathematik und nette Gedankenspiele. Was sich relativ sicher sagen lässt sind grob die Top 3 Picks, die bei fast allen durchgehend sowohl in der richtigen Reihenfolge als auch der Teamzuweisung geordnet sind. Es wird dann selbstverständlich mit jedem späteren Tipp zunehmend schwieriger.


Zu viele Eventualitäten, die durch einen Trade komplett verschoben werden können. Am genausten – vor allem in den späteren Picks – ist hierbei David Jeremiah. Er hat sich mit Recht den Titel “Draft Guru” verdient - Glückwunsch! Nah dran an einer höheren Platzierung war unsere deutsche Vertretung in Person von Adrian Franke, der auf Augenhöhe mit einem sehr erfahrenen Mel Kiper steht und nur in der Reihenfolge etwas ins Straucheln kam durch vermutete Trades.

Wer gerne selbst mal einen mock draft versuchen mag kann sich gerne unter www.profootballnetwork.com/mockdraft kostenfrei versuchen und wird merken: Es kommt so gut wie nie zweimal der selbe Draft am Ende bei raus. Eine Sache könnt ihr dabei jedenfalls schon mal besser machen als alle genannten Experten die letzten zwei Jahre: Kein hatte einen Falcons-Tipp richtig. Ob es an Dimitroff lag oder ob die Falcons untippbar sind werden wir wohl am 29.04.2021 erfahren.

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