• Dominik Heimann

Der Kader der Falcons: Pre-Draft

Es war die erste Saison des neuen Regimes unter Headcoach Arthur Smith und General Manager Terry Fontenot. Man sorgte sich vorrangig um die Stabilisierung des Teams, das gerade mental im letzten Viertel der Spiele strauchelte. Daher war man im Draft des letzten Jahres darauf bedacht, Führungsspieler der jeweiligen Collegeteams zu holen. Am Ende der abgelaufenen Saison hatte keine Rookie Klasse mehr Snaps gespielt, als die der Atlanta Falcons. Man beendete die Saison erfolgreicher und stabiler als die vorherige, findet sich aber nichtsdestotrotz erneut mit einem Top 10 Pick im diesjährigen Draft wieder. Abermals müssen sich Terry Fontenot und das Front Office mit der Frage konfrontiert sehen: Welche Position ist die dringlichste und wichtigste Position, die mit diesem Pick gefüllt werden soll?


Die Offensive

Ein beinahe komplett neues Gesicht wird man im Wide Receiver Room der Falcons vorfinden. Nach dem Verlust von Star-Receiver Julio Jones vor der letzten Saison und der Suspendierung von Calvin Ridley zur Neuen, verabschiedete sich auch die Nummer 3 Russel Gage in Richtung Tampa Bay. Dementsprechend dünn aufgestellt ist diese Positionsgruppe nun und es wird nach einer neuen, klaren Nummer 1 (und eigentlich auch Nummer 2) gesucht. Olamide Zaccheaus sonderte zwar den Markt, verlängerte nun aber doch kurz vor dem Draft seinen Vertrag und ist mit Frank Darby, der letztes Jahr spät gedraftet wurde, der letzte Verbliebene. Aus dem Practice Squad zog man Chad Hansen und Austin Trammel hoch und man holte Damiere Byrd (Chicago Bears), Khadarel Hodge (Detroit Lions), sowie Auden Tate (Cincinnati Bengals) dazu. Da - wahrscheinlich - mit den ersten beiden Picks die Defensive verstärkt werden soll, kann man davon ausgehen, dass der Spätere der beiden Zweitrunden Picks oder die Drittrunden Picks präferiert wird für die Offensive. Im Auge sollte man hier John Metchie behalten, der durch seine Verletzung auf den meisten Big Boards gefallen ist. Das Ende einer großen Ära läutete man mit der Posse um Deshaun Watson, teilweise ungewollt, ein. Die am Ende gescheiterten, jedoch sehr fortschrittlichen Verhandlungen, sorgten für Zwist mit Matt Ryan, der darauf seinerseits um einen Trade bat und Atlanta in Richtung Indianapolis verließ. Man behalf sich kurzfristig mit Marcus Mariota. Ob er der Quarterback der längerfristigen Zukunft ist, wird sich zeigen. Zweifelhaft ist es, ob der Quarterback der Träume im diesjährigen Draft zu finden ist. Es wird auch interessant zu beobachten sein, wie die Atlanta Falcons mit dem Backfield der Offensive umgehen wird. Das Laufspiel war so gut wie nicht präsent um Mike Davis, der erst im letzten Jahr als Leading Back verpflichtet wurde. Er erlebte eine Talfahrt durch die gesamte Saison, mit mehr Schatten als Licht. Seine angepriesenen sicheren Hände wurden zu häufig zur Enttäuschung. Mit 4 Fumbles und gerade einmal 503 Yards auf der Habenseite zum Ende der Saison, empfahl er sich nicht für ein weiteres Jahr in Georgia. Mit der Verpflichtung von Damien Williams von den Chicago Bears scheint sein Nachfolger auch schon parat zu stehen. Einziger Lichtblick im letzten Jahr war hier Cordarrelle Patterson, der als Running-Back-Wide-Receiver-Hybrid in der ersten Hälfte der Saison aufblühte. Häufig zugelassene Sacks und schlechtes Run Blocking stand exemplarisch für die Offensive Line der Mannschaft. Rookie Right Tackle Jalen Mayfield sprang notgedrungen für den Dauerverletzten Left Guard Matt Gono ein und erlebte eine Horrorsaison, ebenso Kaleb McGary. Hier sollte auf jeden Fall nachgebessert werden. Von den Chicago Bears holte man vor dem Draft schonmal den ehemaligen First Round Pick Germain Ifedi, der aber alleinig auch nicht des Rätsels Lösung sein wird.


Die Defensive

Der Blick auf die andere Seite des Balles zeigte auch viel Bewegung. Das einstige Sorgenkind der Cornerbacks bekam ebenso Zuwachs. Mit dem Abgang von Fabian Moreau kam von den Las Vegas Raiders Casey Hayward, das vielleicht bisher beste Signing der Offseason von Terry Fontenot. Ihm gegenüber steht weiterhin A. J. Terrell, der eine überragenden Saison spielte. Für den Slot wurde der Vertrag um Isaiah Oliver verlängert. Denkbar wäre hier Ahmad "Sauce" Gardner zuverpflichten, um auch zukünftig das Tandem um A. J. Terrell zu etablieren. Fraglich ist jedoch, ob dieser bis an 8 durchrutschen wird.

Als Prunkstück der letztjährigen Defensive galten die Linebacker der Atlanta Falcons. Kein Jahr später steht man nüchtern dem Resultat gegenüber, dass die Position einen kompletten Neuaufbau benötigt. Foye Oluokun zog es nach Florida zu den Jacksonville Jaguars, Deion Jones ist leistungstechnisch nur noch ein Schatten seiner selbst und Mykal Walker machte in seinem zweiten Jahr nicht den Schritt, den man sich von ihm erhoffte. In der Offseason besserte man bisher mit Lorenzo Carter (New York Giants) und Rashaan Evans (Tennessee Titans) nach. In frühen Mocks vieler Experten schwirrte oft der Name Nakobe Dean herum, der mit den Falcons aus Atlanta verbunden wurde. Sollte allerdings kein Downtrade auf Seitens der Falcons erfolgen, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich hier auf Linebacker bedient wird. Chad Muma in Runde Zwei oder Channing Tindall in der dritten Runde scheinen hier der beste Fit zu sein.

Kaum eine Aufwertung und somit weiterhin das Sorgenkind ist die Defensive Line. Im letzten Jahr schaffte man es nicht neben Grady Jarrett Qualität zu verpflichten oder aufzubauen. Mit dem fluiden Wechsel zwischen einer 3-4 und 4-3 Defense half dem Team auch nicht Pressure auf den Quarterback aufzubauen. Wichtig wird es hierbei einen starken klassischen Edge Rusher oder Outside Linebacker zu finden, der die Zahlen an Quarterback Hurries und Sacks zu erhöhen versteht. In dieser Disziplin waren die Falcons mit weitem Abstand das schlechteste Team der Liga. So ist es nicht verwunderlich, dass der Pick an Stelle 8 am häufigsten mit einem Spieler dieser Position in Verbindung gebracht wird. Die Klasse um die Edger herum ist in der Tiefe in diesem Jahr sehr stark besetzt und es wäre sehr verwunderlich, wenn nicht spätestens mit dem frühen Pick in Runde Zwei auf dieser Position zugegriffen wird. Wie früh man zugreift bei den Interior Defensive Lineman ist dann schon rätselhafter. In der Spitze sind unter anderem mit Jordan Davis und Devonte Wyatt interessante Spieler dabei, aber nach den ersten beiden Runden ist die Qualität dann schon deutlich überschaubarer.


Der Draft in diesem Jahr ist für die Falcons somit ein wichtiger Schritt. Er wird entscheiden, in welche Richtung sich die Franchise aus Atlanta entwickeln will und kann. Mit 3 Picks in den ersten beiden und insgesamt 5 in den ersten drei Runden, muss zwingend Qualität gedraftet werden. Wirkliche Busts darf man sich hier nicht erlauben und die Rookies müssen quasi direkt Starten können.


Das Fazit nach dem Draft findet ihr dann ebenfalls hier und wird von Kevin G. präsentiert.

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