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Rate the Rookie! Teil 3: Troy Andersen

In Runde zwei an der 58. Stelle wurde der ehemalige Montana State Linebacker von den Falcons gedraftet. Wie sein erstes Jahr verlief und was die Community über ihn denkt, erfahrt ihr hier.



Troy Andersen im Trikot der Atlanta Falcons


Kein FarmVille Simulator


„Hier sind es halt die typischen Dinge, die man so auf dem Land tut,“ Troy Andersen schweift mit den Gedanken in seine Kindheit ab. „Kühe auf die Weide treiben, Heu schneiden, mit meinen Freunden abhängen.“ Troy Andersen könnte stunden damit verbringen über die Kleinstadt Dillon im Staat Montana zu reden. Dabei will er weder cool rüberkommen noch sich selber größer machen als er ist. Es ist die Verbundenheit zu seiner Heimat, die er liebt.


Er liebte es auf einer Farm aufzuwachsen und jederzeit in der Natur sein zu können. Aber es war auch harte Arbeit. Er wusste schon früh um die Bedeutung dessen, was er dort leistete. „Wenn eine Kuh im tiefsten Winter trächtig war und das Kalb zur Welt kam, musstest du handeln. Du konntest nicht sagen »Boah, jetzt habe ich aber gar keine Lust rauszugehen« und es dem Schicksal überlassen“ Das Farmleben prägte ihn physisch und psychisch.


Mit Freunden verbrachte er in seiner spärlichen Freizeit oft auf der Wiese und spielte Football. Eine Lieblingsposition hatte er nicht, er spielte das, was gebraucht wurde. Das zog sich dann auch auf der High School so weiter. Dort spielte er neben Basketball auch als Quarterback und Safety für die Beaverhead County High School. Was er zu dem Zeitpunkt nicht weiß, diese Vielseitigkeit auf dem Feld wird vom ihm später auf dem College nochmals abverlangt.


Sternenlose Nächte


„Aus einer kleinen Stadt aus Montana zu kommen und ebenso nur an einer kleinen Schule gwesen zu sein bedeutet, dass man auch immer einen kleinen Rucksack an Vorurteilen mit sich herumzutragen.“ Verrät er. „Man muss sich immerzu beweisen, dass du es wert bist, hier für dieses College auserwählt zu sein. Deswegen bin ich für alle Chancen, die ich bekomme, dankbar.“ Es sind sehr gewählte Worte, die Andersen über seine Zeit am College nutzt. Er weiß, dass sein Weg auch anders hätte verlaufen können.


Troy Andersen war ein so genannter 0-Star Recruit. Ohne einen Stern von der High School zu kommen, bedeutet zwar nicht das sofortige Karriereende – dafür gibt es genügend Gegenbeispiele in der NFL – macht es einem aber erheblich schwerer ein College zu finden und von Scouts aus der NFL wahrgenommen zu werden. Troy Andersen hatte Glück, dass die Montana State University auf ihn aufmerksam wurde und ein Angebot machte, für ihr College Team zu spielen. So vermied er es immerhin ein Walk-On zu werden.


Als true Freshman startete er in seiner ersten Saison hauptsächlich als Running Back, eine Position, die er zuvor noch nie gespielt hatte. Er absolvierte dies aber mit bravur wurde als »Big Sky Conference Freshman of the year« gekürt. Weil das erste Jahr als Running Back so gut lief, spielte er als Sophomore im zweiten Jahr Quarterback – ganz logisch. Chris Murray der eigentliche Quarterback erhielt aus akademischen Gründen zuvor eine einjährige Sperre. Seine Leistungen waren dort jedoch überschaubarer.


Trotz durchschnittlicher Leistungen machte sein Name im Land seine Runde, bis hin zum Arial Scout Joel Collier, der für die Atlanta Falcons arbeitete. Zwar sprach man eher als Athlet statt Quarterback über ihn, doch wollte sich Collier selbst ein Bild machen. „Ich hörte zum ersten Mal von seinem und dachte «Mal sehen was für eine Art Athlet er ist.« Dann sah ich ihn als Quarterback spielen und dachte »Wow.«“ Er war beeindruckt ob seiner Athletik und beobachtete ihm im darauffolgenden Jahr des Öfteren.


Die Defensive ist sein Zuhause


Im dritten Jahr – als Junior – war die Quarterbackposition wieder ausgefüllt und besetzt. Die Montana Bobcats dachten sich dabei wahrscheinlich: Aller guten Dinge sind drei und versetzten Troy Andersen auf die nun dritte Position im dritten Jahr. Er fand sich nun auf der anderen Seite des Balles wieder als Linebacker seines Teams. Zum Erstaunen aller Außenstehenden entwickelte er sich dort prächtig und machte die größten Fortschritte in seiner Collegekarriere. Seine Erfahrung als Quarterback und Running Back verhalf ihm die Offense zu lesen und seine Athletik sich durchzusetzen.

"Er hat gute Ansätze gezeigt aber man hat ihm auch noch angesehen, dass er die Position noch nicht lange spielt" Marci (Marci am 23.06.2023 via Discord)

„Er hat viele spezielle Fähigkeiten für die Position als Linebacker. Ich meine: Verdammt! Schaut ihn euch an!“ Joel Collier beschreibt es wie folgt. „Blicken wir auf Deion Jones. Er ein sehr, sehr schneller Linebacker aber verglichen mit Troy ist er nicht so groß und kräftig zugleich.“ Der Glaube von Collier an seine Leistung ist hoch. Ein Spieler mit hoher lateraler Geschwindigkeit, was ihm ermöglicht sowohl gegen den Lauf als auch den Passen zu verteidigen.


Als Inside Linebacker Coach Frank Bush das erste Mal von Troy Andersen Tape sah, bemerkte er, dass er sehr aufrecht stand und über den Center schaute, statt in einer niedrigen two-point-stance. Später in der Combine lief er dann noch eine starke 4.42 im 40-Yard Dash. „Das war etwas, das ich nicht erwartet hatte. Bei der Mitteilung zu der Combine sind auf dem Papier alle Spieler schnell aber Troy … er WAR es. Ich dachte nur »Hoffentlich kriegen wir die Chance ihn zu bekommen«“

"Seine Athletik ist geil und er war ein baba Special Teamer" Henry (Henry am 20.06.2023 via Discord)

Troy Andersen, das Arbeitstier


Für die Atlanta Falcons war es ein „No Brainer“ als Troy Andersen in Runde zwei des Draft noch da war. Es war die Kompensation für Julio Jones, die sie von den Tennessee Titans bekamen und sie schlugen zu. Sein angeborenes Footballwissen, seine natürliche Führungspersönlichkeit und starker Charakter waren die entscheidenden Aspekte für das Front Office um Terry Fontenot und Arthur Smith.


Bereits früh in den Camps vor der Saison haute er sich voll rein. Das beeindruckte Coaches und Spieler zugleich. Sein Motto lautete stets: Jede Trainingseinheit wird so angegangen als sei es ein NFL Spiel. „Der Schlüssel ihm zu helfen geht über seine athletischen Fähigkeiten, die er mitbringt. Er probiert sich daran aus. Wir mögen ihn als Linebacker. Das ist schließlich auch was aus ihm am Ende in Montana wurde.“


Frank Bush hat genauer Vorstellungen von dem, was Troy Andersen leisten kann und wird. „Aktuell kennt er unsere Sprache auf dem Platz noch nicht richtig. Jetzt bringen wir ihm bei, wie wir die Sachen angehen. Im Moment kann ich nur Gutes über ihn sagen. Er macht aktuell alles richtig.“ Und er fügt des Weiteren hinzu. „Er ist gewillt jeden Tag zu lernen und nichts als geschenkt hinzunehmen. Er zeigt immer mehr sein Skillset.“

Klasse Athlet, leider aber als Football Spieler letztes Jahr in der NFL überfordert" Bernd (Toran-bix am 20.06.2023 via Discord)

Am Anfang der Saison verdiente er sich seine Sporen hauptsächlich im Special Team. Rashaan Evans und Mykal Walker waren die klaren Starter und er schlüpfte ab und an durch die Rotation in die Rolle des Linebackers. Auf die Frage, ob es das vorhandene Linebacker-Lineup einem den Einstieg erleichtere hob er vor allem Evans hervor. „Rashaan ist fantastisch. Während der Meetings oder Videoanalysen kannst du ihn alles Fragen, er kann es dir beantworten. Das gibt mir viel Sicherheit an seiner Seite zu spielen.“


Ab der fünften Woche mehrten sich seine Snaps dann langsam und er spielte häufiger. Auch Grady Jarrett war zunehmend beeindruckt von ihm. „Ich glaube mit jeder Trainingseinheit wird er sicherer. Er startete als rohes Talent und schon früh im Trainingslager sah man, wie talentiert er ist.“ Er mahnt aber gleichzeitig zur Geduld. „Für ein Fazit ist es noch ein wenig verfrüht, er spielt dafür noch nicht lange genug. Es hat aber seine Gründe wieso er diese Position spielt und ich bin gespannt, ihn weiter wachsen zu sehen:“


Die Saat vor der Ernte


In Woche 15 übernahm Troy Andersen den Platz von Mykal Walker, der eine enttäuschend schwache Saison spielte. Von nun an hatte Troy den Löwenanteil an Snaps pro Spiel. Dean Pees merkte an, Troy Andersen entwickle sich in die richtige Richtung. Gegen die Saints, das Spiel in Woche 15, beendete er mit 7 Tackles. Nur Evans hatte mehr. „Er wird besser und besser, Das ist der Grund wieso er mehr und mehr Spielzeit bekommt. Er hat es sich verdient.“ So das Fazit des Defense Coordinators.

"Ich habe schon ein paar gute Dinge in ihm gesehen [...] die Bears [...] wurden bei unter 150 Yards gehalten." Chlodwig (Chlodwig 73 am 23.06.2023 via Discord)

„Er macht einen unglaublichen Job. Wie man sieht, ist er groß und talentiert aber vor allem seine Intelligenz und Instinkte stechen heraus.“ Sagt Frank Bush Mitte Dezember. „Seine Tackles und Stops sind im Vergleich zum Anfang der Saison verbessert.“ Arthur Smith stimmt dem Tenor zu. „Er hat große Fortschritte über die Saison gemacht. Er hat sich mittlerweile besser eingewöhnt. Er ist ein intelligenter, instinktiver Spieler mit starken Händen.“


„Im College sowohl in der Offense gespielt zu haben hilft mir Situationsbewusstsein und räumliche Wahrnehmung besser zu verstehen. Wie Deckung richtig funktioniert und wie sich alles zusammenfügt. Nicht nur den eigenen Job verstehen, sondern die ganze Defense.“ Troy Andersen nutzt aktiv alle Aspekte seiner Erfahrung. Am Ende der Saison stand er als etablierter Spieler im Team da.


PFF Statistik von Troy Andersen

Es lief dabei vieles nicht rund. PFF schmetterte ihn mit einem 40.2 Grade ab, allem voran in der Coverage stuften sie ihn richtigerweise ab. Von 23 Targets, die auf ihn zukamen, ließ er 21 zu. Insgesamt waren es 218 Yards und zwei Touchdowns. Dafür machte sein Spiel gegen den Run und auch der Pass Rush Mut. Er holte zwar nicht die Sterne vom Himmel, zeigte sich aber immerhin solide in den Wertungen. 50 Tackles, 13 Run Stops, und ein Forced Fumble stehen hier auf der Haben-Seite, sowie 7 Quarterback hurries. Im Special Team hatte er mit einem Punt Block gegen die Los Angeles Rams ein Highlight.

"Andersen hat nicht gut gelesen und die falschen Entscheidungen getroffen." Oliver (Muggel am 22.06.2023 via Discord)

Troy Andersen selbst ist mit seiner ersten Saison und seinen wachsenden Playmaker Fähigkeiten seitdem er in Atlanta ist zufrieden. Auch Frank Bush sieht Verfeinerungen in jedem Aspekt seines Spiels seit dem Rookie Minicamp. „Er hat viel Zeit damit verbracht alle Nuancen zu verstehen. Er beginnt langsam zu verstehen, dass es nicht nur reicht sich das Offense Scheme anzuschauen. Du musst wissen, wer die Spieler sind, wer der Coordinator ist, wie sie sich während des Spiels verhalten. Das ist alles, was man auf dem Weg zum Profi lernt.“

"Klar muss er als Linebacker noch nachlegen [...] nicht die einfachste Position im Football" Michael (FroZen am 23.06.2023 via Discord)

Was waren die Alternativen im Draft?

Hier wieder ohne Wertung eine Aufzählung von Spielern, die noch zu haben gewesen wären:


Drake Jackson (Defensive End)

Bryan Cook (Safety)

Martin Emerson (Cornerback)

Jelani Woods (Tight End)

Abraham Lucas (Offensive Tackle)


Das Fazit der Community


Zurückhaltend ist die Bewertung der Community für Troy Andersens Leistungen in seiner ersten Saison. Der große Teil sieht ihn noch bei einem soliden C-Grade, es gibt jedoch auch deutlich kritischere Stimmen die eher Richtung D tendieren.



Troy Andersen Grade im Diagramm

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2 Comments


Sehr guter Artikel, das hilft viele seiner Rookie Entscheidungen versöhnlich zu betrachten. Hach Man mag unsere Spieler immer mehr nach AFG Artikeln.

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Dominik
Dominik
Jun 28, 2023
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Vielen Dank für das Lob. :) ich muss persönlich sagen, dass ich jedes Mal auch wieder etwas Neues über unseren (ehemaligen) rookies erfahre und sie danach ein Stück mehr mag

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