• Kevin Günther

Season Preview 2021 Atlanta Falcons - Neue Coaches, neues Front Office – neue Hoffnung?

Aktualisiert: Sept 12


Die vorherige Saison

Was soll man zur letzten Saison der Atlanta Falcons sagen? Erschreckend? Tiefpunkt? Wie auch immer die Wortwahl ausfällt, sie dürfte durchweg negativ ausfallen. Nach einem 0-5 Start mit zum Teil desaströsen Einbrüchen im berüchtigten 4. Quarter, zog die Führungsebene der Falcons die Notbremse: Head Coach Dan Quinn und General Manager Thomas Dimitroff wurden mit sofortiger Wirkung entlassen. Einen Tag später folgte auch Special Teams Coordinator Ben Kotwicka. Raheem Morris, vorher Defensive Coordinator, übernahm als Interim Head Coach und Jeff Ulbrich durfte seine Aufgaben von den Linebackern auf die gesamte Defense als DC erweitern. Lediglich Offensive Coordinator Dirk Koetter behielt sein Amt – zu Unrecht.

In den verbliebenen elf Spielen gewannen die Falcons immerhin vier Stück und zeigten defensiv einen Schritt in die richtige Richtung. Trotz des vermeintlich leichten Aufschwungs überwiegten am Ende die Zweifel und es folgte die Entlassung nahezu aller Coaching Staff- und Front Office-Mitglieder.

Neue Coaches und neues Front Office

Nach der schwächsten Saison seit 2013 beginnt eine neue Ära bei den Falcons. Einzig Wide Receiver Coach Dave Brock überstand den internen Umbruch und darf weiterhin seiner Funktion nachgehen. Als neuer Head Coach wurde der ehemalige Offensive Coordinator der Tennessee Titans, Arthur Smith, eingestellt. Ihm zur Seite stehen Offensive Coordinator Dave Ragone, Defensive Coordinator und Urgestein Dean Pees, sowie Special Teams Coordinator Marquice Williams.

Insbesondere die Verpflichtungen von Smith und Pees, die in der Saison 2019 bei den Titans mit großem Erfolg zusammen arbeiteten, sorgte bei den Atlanta Falcons und seinen Fans wieder für Hoffnung nach drei Saisons mit einer Gesamtbilanz von 18 Siegen zu 30 Niederlagen.

Als neuer General Manager wurde Terry Fontenot vorgestellt. Er galt von vornherein als Wunschkandidat von Owner Arthur Blank und CEO Rich McKay und bringt jede Menge Erfahrung als Pro Scout und Assistant GM bei den Saints mit sich. Eine weitere interessante Personalie ist der neue Vice President of Player Personnel, Kyle Smith. Smith soll große Anteile an den letzten Draft Picks des Washington Football Teams gehabt haben, die sehr gute Spieler wie zuletzt DE Chase Young oder WR Terry McLaurin hervorbrachten.

Bisherige Offseason

Free Agency, die wichtigsten Neuzugänge:


  • RB Mike Davis (Carolina Panthers), 2 Jahre, $5,5 Mio.

  • Safety Duron Harmon (Detroit Lions), 1 Jahr, $1,2 Mio.

  • Wide Receiver/Running Back Cordarelle Patterson (Chicago Bears), 1 Jahr, $3 Mio.

Free Agency, die wichtigsten Re-Signings:


  • K Younghoe Koo, 1 Jahr, $920.000

  • G/T Matt Gono, 1 Jahr, $3,38 Mio.

  • DE/DT Jacob Tuioti-Mariner, 1 Jahr, $850.000

Free Agency, die wichtigsten Abgänge:


  • WR Julio Jones (Titans), getraded mit einem 6. Runden Pick in 2023 für 2022 2. Runden Pick und 2023 4. Runden Pick

  • C Alex Mack (49ers), 3 Jahre, $14,85 Mio.

  • S Keanu Neal (Cowboys), 1 Jahr, $4 Mio.

Durch den verringerten Salary Cap konnte Atlanta auf dem Papier nur durchschnittliche Spieler verpflichten und sah sich genötigt, wichtige Spieler zu cutten, traden oder gar nicht erst zu verlängern.

Mit Mike Davis von den Panthers erhofft man sich einen ähnlichen Erfolg wie damals bei Michael Turner, der jahrelang Backup von LaDanian Tomlinson in San Diego war und sich als sehr guter RB etablierte. Duron Harmon bringt viel Erfahrung in das löchrige Backfield und Cordarelle Patterson soll in erster Linie das über Jahre vernachlässigte Return Game auf Vordermann bringen. Allgemein sind die Zugänge als „Gap Starter'' oder Mentoren für den recht jungen Kader geholt worden, was dazu führt, dass die Falcons in der kommenden Saison sehr viel Vertrauen in ihre Rookies oder 2nd Year Pros setzen müssen.

Zu den neuen Verpflichtungen wurden Rotationsspieler wie Matt Gono und Jacob Tuioti-Mariner re-signed, die in den letzten Jahren bereits eine gute Entwicklung gezeigt haben. Kicker Younghoe Koo ist der wichtigste Re-Sign und wird weiterhin versuchen seine hervorragende Field Goal Statistik auszubauen.

Die Liste der Abgänge sieht auf den ersten Blick wohl dramatischer aus, als sie wirklich ist. Der Trade von Julio Jones ist das Ende einer seit zwei Jahren bröckelnden Beziehung. Rein Leistungstechnisch ist der Verlust schmerzhaft, in Anbetracht seiner immer wiederkehrenden, kleineren Verletzungen und seinem Wunsch die Franchise zu verlassen, jedoch nachvollziehbar. Auch Alex Mack wirkte in den letzten Jahren nicht mehr auf der Höhe, war allerdings eine wichtige Führungsperson im Locker Room und auf dem Platz. Keanu Neal spielte zum Ende der Saison wieder besser und wird als Box Safety an der Line of Scrimmage fehlen.

Die Draft Class

1. Runde, 4. Pick: TE Kyle Pitts, Florida


Das perfekte Value gab es gleich zu Beginn. Kyle Pitts, der ''Freak'', das ''Einhorn'', es sind genau diese Bezeichnungen, die ihn zum besten Tight End Prospect seit Vernon Davis im Jahr 2006 machten. 6'6'' groß, 245 lbs schwer und läuft dabei einen 4,44 Sek. 40-Yard Dash - das sind ähnliche Werte wie zuletzt beim legendären Wide Receiver Calvin Johnson. Pitts bringt eine Pro Football Focus-Grade (PFF-Grade) von 96,2 mit sich und hatte alleine im letzten Jahr 43 Receptions für 770 Yards und 12 Touchdowns ohne einen einzigen Redzone-Drop. Er wurde zudem als Wide Receiver eingesetzt und stellte dabei selbst Cornerbacks wie Jaycee Horn oder Patrick Surtain II vor Probleme. Seine große Schwäche ist aktuell das Run und Pass Blocking.

2. Runde, 40. Pick (von den Broncos): S Richie Grant, UCF


Die Falcons tradeten von Pick 35 auf Pick 40 und konnten dafür noch Pick 114 einheimsen, wobei Pick 219 zusätzlich von den Falcons weichen musste. Richie Grant besticht durch seine Vielseitigkeit und seine guten Instinkte (10 Interceptions, 290 Tackles, 17 Passes Defended). Er ist ein sicherer Tackler und wird wohl von Dean Pees als Free Safety oder in der Man Coverage von Tight Ends eingesetzt werden. Sein größtes Manko ist die nur befriedigende Athletik (4,53 Sek. 40-Yard Dash). Grant wird wohl am meisten von Duron Harmon als Mentor profitieren, der gerade als Free Safety seine Stärken ausspielen kann.

3. Runde, 68. Pick: G/T Jalen Mayfield, Michigan


Eher als Projekt genommen, wirkt der 20 Jahre junge Offensive Lineman noch etwas ''roh''. Mayfield hat lediglich 18 Spiele in drei Jahren am College spielen dürfen, zeichnet sich aber vor allem durch seine Physis aus. Der 6'5'' große und 326 lbs schwere Hüne spielte Left und Right Tackle und bringt trotz seiner Maße eine gute Athletik mit, die im Scheme gefordert werden wird. Ein möglicher Einsatz als Guard sehen viele Analysten aufgrund der ''kurzen'' Arme (32 5/8'') für wahrscheinlich.

4. Runde, 108. Pick: CB Darren Hall, San Diego State


Für manche eine oder zwei Runden zu früh gepickt, machte Darren Hall beim Senior Bowl auf sich aufmerksam und wird versuchen die anfällige Secondary der Falcons zu verstärken. In jeder Season am College konnte der junge Cornerback PFF-Grades von jeweils über 70 erzielen. Seine größten Stärken sind der hohe Football-IQ und das Spiel in der Zone Coverage. Probleme hat er dagegen aufgrund der fehlenden Physis in Press Coverage. Aus diesen Gründen wird er wohl als Slot Cornerback eingesetzt werden oder sogar als Free Safety spielen können.

4. Runde, 114. Pick (von den Broncos): C Drew Dalman, Stanford


Der mögliche Nachfolger von Alex Mack besticht durch hervorragendes Run Blocking (PFF-Grade über 90) und gute Technik. Das kommt nicht von ungefähr, denn bereits sein Vater Chris Dalman spielte sieben Jahre in der NFL für die San Francisco 49ers und holte mit ihnen sogar 1995 den Super Bowl. Am meisten Verbesserungsbedarf hat Dalman im Pass Blocking, wo er in keiner Saison eine PFF-Grade von 70 oder mehr erreichen konnte. Aufgrund seiner Technik und Athletik passt er sehr gut in das Zone Blocking Scheme von Head Coach Arthur Smith und wird als Backup von Matt Hennessy in die Saison gehen.

4. Runde, 148. Pick: DT/DE Ta'Quon Graham, Texas


Die Stärken von Graham liegen ganz klar in seiner Physis und seinem Run Stopping. Mit 34 7/8'' langen Armen bringt der Defensive Lineman wichtige Grundvoraussetzungen für einen guten Pass Rusher mit sich, was er jedoch am College nicht zeigen konnte. Trotz vier Jahre langer Erfahrung hapert es an der Technik und genau das könnte ihm in der NFL Probleme bereiten. Im neuen Scheme von Dean Pees kann er als 3-4 DE oder 4-3 DT in der Rotation eingesetzt werden und sollte sich von DT Grady Jarrett gerade im Pass Rush unterrichten lassen.

5. Runde, 182. Pick (Compensatory Pick): DE/OLB Adetokunbo Ogundeji, Notre Dame


Seit dem Abgang von John Abraham suchen die Falcons vergeblich nach einem fähigen Pass Rusher. Dies liegt jetzt schon acht Jahre zurück und ob Ogundeji der langersehnte Abraham-Ersatz wird, darf angezweifelt werden. Zwar besticht er durch ein beeindruckendes Gardemaß von 6'4'', 268 lbs und 35 ½'' langen Armen, die Technik ist allerdings unterdurchschnittlich. Mit 7 Sacks in seiner letzten Season bei Notre Dame ließ er dennoch sein Potenzial aufblitzen.

5. Runde, 183. Pick (Compensatory Pick): CB Avery Williams, Boise State


Der vorletzte Pick der Falcons wurde auf dem Papier für einen Cornerback verbraucht. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit, da Avery Williams ein ausgezeichneter Special Teamer ist. In seiner Collegezeit erzielte er ganze neun Kick oder Punt Return Touchdowns und wurde zudem in der letzten Saison zum MWC Special Teams Player of the Year gewählt. Aufgrund der guten Beweglichkeit hat er dennoch kleinere Chancen als Slot Cornerback Einsatzzeit sammeln zu dürfen.

6. Runde, 187. Pick: WR Frank Darby, Arizona State


Mit ihrem letzten Pick im Draft sicherten sich die Atlanta Falcons einen bulligen Receiver aus Arizona. Frank Darby ist ein klassischer Deep Threat, der seine körperlichen Vorteile (6'0'', 201 lbs) nutzt, um technische Defizite auszugleichen. Er durfte in 2018 und 2019 mit N'Keal Harry und Brandon Aiyuk zusammenspielen, was ihm laut eigener Aussage zusätzliche Erfahrung einbrachte. Der ewig gut gelaunte Darby sollte primär als Special Teamer zum Einsatz kommen.

Einschätzung der Offense

Quarterbacks:

Die Atlanta Falcons werden in die 14. Saison mit ''Iron Man'' Matt Ryan als Starter gehen. Nachdem Matt Schaub als langjähriger Backup in den verdienten Ruhestand gegangen ist, verpflichteten die Falcons A.J. McCarron (30 Jahre, Texans) mit einem Cap Hit von $987.500. Leider verletzte er sich im zweiten Preseason-Spiel gegen die Dolphins und wird die gesamte Saison ausfallen. Als Ersatz verpflichteten die Falcons Josh Rosen. Der 24-Jährige kommt von den 49ers und bringt zumindest zwei Jahre Spielerfahrung mit in den Locker Room. Rosen gilt als charakterlich bedenklich, sein erster Eindruck wirkte jedoch bodenständig. Auch leistungstechnisch gibt es eine Menge Luft nach oben. Weder seine PFF-Grades (49,1 in 2018, 46,0 in 2019), noch seine Stats bei den Cardinals und Dolphins sahen vielversprechend aus (2.845 Passing Yards, 12 Touchdowns, 19 Interceptions und ein Passer Rating von 63,5). Ein weiteres, neues Gesicht stellt Feleipe Franks (23 Jahre, Arkansas) dar, der nach dem Draft als Undrafted Free Agent verpflichtet wurde. Nach dem Ausfall von McCarron steht nicht fest, wer als Nummer 2 hinter Matty Ice in die Saison gehen wird, Rosen werden aber größere Chancen zugesprochen. Mit Franks hat man außerdem einen interessanten Quarterback gesigned, der über einen sehr starken Wurfarm verfügt. Ob man in Zukunft noch etwas von Franks hören wird, steht aber in den Sternen.

Natürlich liegt jedoch das Augenmerk weiterhin auf Matt Ryan. Seit 2008 hat er den Posten des Starting Quarterbacks inne und besticht seitdem durch eine unglaubliche Konstanz und Robustheit. Alleine in den letzten drei Seasons kassierte Ryan satte 131 Sacks. Lediglich Deshaun Watson und Russell Wilson mussten mehr einstecken. Damit einhergehend sank sein Passer Rating unter Druck auf 68,3 – der niedrigste Wert seit 2013. Worin „Matty Ice“ darüber besticht, ist sein Passer Rating in der clean Pocket mit 103,7 (6. bester Wert in der NFL) und bei Pässen zwischen 10 und 19 Yards (113,9 Passer Rating). Auch seine Stats in der abgelaufenen Saison waren immer noch gut genug für die Top-10: 65% angebrachte Pässe für 4.581 Yards, 26 Touchdowns, 11 Interceptions und ein Quarterback-Rating von 93,3. Zudem konnte er seine PFF-Grade im Gegensatz zum letzten Jahr von 75,8 auf 83,1 steigern.

Running Backs:

Viele neue Gesichter und die Frage: Haben die Falcons mit Mike Davis ihren persönlichen Derrick Henry gefunden? Die Antwort fällt kurz und knapp aus: Nein! Head Coach Arthur Smith hat bereits angekündigt auf die Stärken seiner Spieler einzugehen und keinen RB1 für die neue Saison zu haben. Vielmehr möchte er eine Aufteilung zwischen den Running Backs anstreben, um je nach Spielsituation handeln zu können. Eine große Änderung im Gegensatz zu den Vorjahren liegt vor allem in den Spielertypen im neuen Backfield. Mike Davis (5'9'', 220 lbs), Cordarelle Patterson (6'2'', 220 lbs) und auch Wayne Gallman (6‘0‘‘, 215 lbs) sind eher bullige Spielertypen, die damit im Kontrast zu ehemaligen Spielern wie Devonta Freeman (5'8'', 206 lbs) oder Ito Smith (5'9'', 195 lbs) stehen.

Mike Davis bringt von den neuen Spielern am meisten Vorschusslorbeeren mit. Er durfte letzte Saison durch die Verletzung von Christian McCaffrey (Panthers) in 12 Spielen starten und erlief 642 Yards, mit einem Average von 3,9 sowie 6 Touchdowns. Hinzu kamen weitere 59 Receptions für 373 Yards und 2 Touchdowns. Für seine erste Saison als Starter sind das gute Stats, wenn man zudem das Fehlen von vier Spielen berücksichtigt.