• Dominik Heimann

Das perfekte Value: Kyle Pitts

Am Donnerstag Abend war im War Room in Atlanta für ein paar Sekunden Totenstille. Terry Fontenot, Arthur Smith und Arthur Blank schauten gebannt auf den Flatscreen oben an der Wand. Roger Goodell schritt zum Podium, räusperte sich kurz und blickte auf seinen Umschlag. Kurz war es still in Cleveland, die Massen schauten hoch zu ihm und auch am frühen Morgen in Deutschland nahmen viele eine aufrechtere Haltung auf ihrem Sofa ein.


Eine zukunftsweisende Verkündung


Den Blick vom Umschlag abwendend schaute der Comissioner der NFL hoch und lies verlauten "With the 4th pick in the 2021 NFL Draft the Atlanta Falcons select Kyle Pitts, Tight End, Florida!"

Ein kurzer Jubelsturm ging durch den War Room. Terry Fontenot und Arthur Smith klatschten sich freudestrahlend ab und Arthur Blank lächelte beseelt in sich hinein.


Im Livestream der Atlanta Falcons Germany brach eben so Jubel aus. Von "Geil" über "Yes, wir gehen mit Matt Ryan" und "Jetzt nenne ich Terry auch the Fox" war alles dabei und selbst Quarterback Befürworter waren aus dem Grinsen nicht mehr rauszukommen. Die Freude über die zukünftige Offense war größer als Kyle Pitts' Fliege an jenem Abend


Die logische Wahl


Die Wochen voller Planungen zum Draft waren am Sonntag nun für alle Entscheidungsträger der Atlanta Falcons vorbei. The Fox (nun offiziell geadelt) und Arthur Smith haben gegen alle Emotionen und mit logischem Verstand den Draft 2021 abgeschlossen. Man ist unter der Prämisse "Best Player Available" in die drei Tage gegangen und hat das auch an Tag zwei und drei konsequent durchgezogen.


Mit dem jemals höchstgewählten Tight End aller Zeiten in der NFL, entschied man sich gegen einen Quarterback. Matt Ryan wird erst im Jahr 2024 ein free agent und seine letzte Saison zeigte auch: Es scheint noch lange nicht Schluss zu sein.


Mit seinen 4581 passing yards war er der drittbeste Quarterback der NFL 2020. Trotz eines miesen Offensive Coordinators - gerade in der Redzone - und einem verletzten No. 1 Receivers, warf er 26 Touchdowns und nur in 1,8% seiner Passversuche eine Interception (Unter seinem Karrierewert von 2,1%!).


Der logische Schluss: Terry und Arthur sahen an Stelle vier im Draft eben Kyle Pitts vor Justin Fields oder gar Mac Jones. Der Tight End aus Florida ist geradezu das beste Value und letzte Puzzelstück in der Redzone.


Im letzten Spielfeldabschnitt kann er vielseitig dem stockenden Motor der Offense helfen, im Blocking, Slot oder gar als X-Receiver wie im College-Spiel gegen Kentucky zu sehen war. Im besten Fall bekommen wir auch wieder ein wenig Motion vor dem Snap zurück, das quasi im letzten Jahr nicht existent war. So sehe ich Spielzüge, wie der Touchdown von Kyle Pitts gegen Ole Miss im Verbund mit Julio Jones und Calvin Ridley.


Die stetige Entwicklung der NFL


Dabei gehen die Verantwortlichen der Falcons vollkommen mit der Zeit und sind nicht in den 90ern taktisch hängengeblieben. So ist der Value 2021 mittlerweile ein ganz Anderer. So wie sich viele Positionsgruppen in der NFL weiterentwickelt haben, wie zB. die Safetys, so haben auch die Tight Ends eine Wandlung vollzogen.


Vor den 1960er Jahren wurden Tight Ends noch ausschließlich als zusätzliche Blocker eingesetzt, bis John Mackey und Mike Ditka das erste Mal diese Position etwas moderner spielten und deutlich fangsicherer waren. In den 2000 kamen aus dem College dann immer mehr Spieler wie Tony Gonzales oder Jimmy Graham zum Einsatz. Zumeist mit Basketballerfahrung. Sie waren weiteraus athletischer und fangsicherer als die Tight


Ends vor ihrer Zeit.


In der letzten Saison erreichte ein Tight End schon fast die höchste Form der Entwicklung. Travis Kelce erreichte 1410 receiving yards und 11 Touchdowns 2020. Nur Stefon Diggs hatte mehr Yards vorzuweisen - Hauptberuflich: Receiver. Der nächste Receiver, der an die Werte von Kelce rankam war Darren Waller, allerdings insgesamt 200 Yards weniger bei 2 mehr Fängen.


Pitts - ein ausgezeichneter Tight End


Noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung ist Kyle Pitts. Mit seinen gerade mal 20 Jahren wurde er mit dem John-Mackey-Award ausgezeichnet und und wurde in die Consensus All American gewählt.


Mit seinen 12 Touchdowns war er der Zweitbeste in der Southeastern Conference (Hinter DeVonta Smith) und der drittbeste in der NCAA. Außerdem fing er für insgesamt 770 Yards in acht Spielen. Das, ihm zu unrecht schlecht vorgeworfene, Blocking beherrscht er ebenfalls schon gut. Hier an der Stelle legen wir Jedem das Spiel gegen Alabama gerne ans Herz. Für den


Feinschliff sorgt dann Tight End Coach Justin Peelle.


Quarterback Zukunft ruiniert?


Von allen Seiten der Medien werden die Falcons für ihren super Draft über sechs Runden gelobt. Auf NFL.com gab Mel Kiper sogar den Falcons aus Atlanta als einzige Franchise ein A+. Aus der Fangmeinde gab es fast ausschließlich nur Freude sowohl in der USA als auch in Deutschland. Nach einigen Unterhaltungen, Tweets und Blocks mit Bekannten inner- und außerhalb Deutschlands waren auch Jene, die einen Crush auf Justin Fields


oder Trey Lance hatten versöhnt und optimistisch.


Doch wir wollen auch die letzten Schwarzmaler gerne abholen. Haben wir damit die Zukunft unserer Quarterback Zukunft ruiniert und aufs Spiel gesetzt? Immerhin war es die beste Quarterback-Klasse aller Zeiten. Und hier mögen wir ein Livestream-Mitglied zitieren "Es ist jedes Jahr aufs Neue die beste Quarterback-Klasse aller Zeiten"


Vor ein Paar Jahren galt Marcus Mariotta als das Maß aller Dinge, später Jared Goff und jetzt Trevor Lawrence. Es ist beruhigend zu wissen, dass es jedes Jahr neue Talente aus den Colleges gibt und viele Quarterbacks müssen dabei nicht an Stelle 1 gepickt werden wie Patrick Mahomes (an 10) oder Dak Prescott (an 135).

Zudem hat Arthur Smith bewiesen, dass er keinen eigen gedrafteten Quarterback


benötigt. Mit Ryan Tannehill holte er aus Miami seinen ganz eigenen Quarterback der Zukunft.

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