• Dominik Heimann

Atlanta Falcons Season 2020 - DER Rückblick

Eine Season zum vergessen – oder?


Geschafft! Oder sollten wir besser sagen: Überlebt? So mag man sich nach 2020 und einer 4-12 Saison vielleicht eher fühlen. Nur ungerne denkt man an die vergangenen Spiele zurück, die nur wenige Highlights - für das eigene Team – mit sich brachte und einem oft kopfschüttelnd zurückließ. Doch war wirklich alles so schlecht? Und lohnt es sich überhaupt sich auf 2021 zu freuen?

Wir blicken zurück um dann den Blick nach vorne zu richten!

Was war schlecht?

Dante Fowler

Ungerne picke ich einen Spieler einzeln heraus, es zeugt nur selten von Stil und doch beginne ich die Aufzählung mit einer Einzelleistung. Man möge meinen Dante Fowler käme mit einem starken Selbstbewusstsein nach Georgia. So verbrachte er die letzten zwei Jahre in einer der bessere Defense der Liga und kam mit


11 Sacks und 54 Tackles in 2019 im Gepäck zu den Falcons. Umso erschreckender sind dann die nackten Zahlen seiner ersten Saison im neuen Jersey: In 14 Spielen kam er auf 3 Sacks und 23 Tackles. PFF platzierte ihn auf seiner Position auf Platz 116 und das von 124 möglichen. Hinzu zu der

schlechten Bewertung kam, dass Dante Fowler einer der Spieler in der Liga ist, der die


wenigsten Doubleteams auf sich hatte.

Secondary

Gruselig wird es noch eine Etage tiefer in der Defense. Unsere Defensive Backs geben sich da mit den Lions die Hand, denn nur eben diese erlaubten mehr Completions über 15 Yards oder mehr. Zu oft sahen unsere Jungs nur die Rücklichter der Wide Receiver und sahen machtlos zu wie eben jenen der Ball in die Arme flog.

Die Frage ist: Haben wir dort ein Qualitätsproblem? Die Falcons sind hier in der NFL 1 von 9 Teams, das weniger als 20 Mio. P.a. in diese Position investiert.

HILFE!

Brotherhood war vor der großen Notbremse das große Credo, was Quinn und Co. unseren Spielern gelehrt hat. Irgendwo zwischen Locker Room und Kickoff scheint dies aber oft verloren gegangen zu sein. Die fehlende Unterstützung war am häufigsten bei den Tackles unseres Teams zu


beobachten. Es war so auffällig in der Saisonnachbetrachtung, dass ich nach dem 2. oder 3. Spiel in dieser Nacht diesem Gefühl nachgegangen bin und tatsächlich: Unsere Dirtybirds haben die 5. meisten Solotackles. Düsterer sieht es sogar noch aus, wenn man die kombinierten Tackles gegenrechnet. Nur in 28% aller Tackles war ein Teamkamarad zur


Hilfe anwesend. Nur die Eagles und Patriots stehen mit 27% noch unsolidarischer dar. Gerade für Rookies wie Cornerback A.J. Terrell eine ziemlich undankbare Aufgabe. Er besaß in seinem eisten Jahr in der NFL schon ein ziemlich starkes Timing und war oft am rechten Ort, konnte jedoch seine Tackles oft nicht setzen und so wurden diese nicht selten


gebrochen.

Laufspiel

Ich decke hier wahrscheinlich nicht die größten News für die eingesessenen unserer Community auf und halte mich daher kurz: Im Schnitt 3,7 Yards pro Lauf ist fast die rote Laterne in dieser Liga. Kleinen Dank an dieser Stelle an die Steelers – mit 3,6 Yards können Todd Gurley II, Brian Hill & Ito Smith nochmal


ruhig durchatmen.

Zu durchschaubar?

Wir werden den Rückblick wohl nicht ohne das böse Wort schaffen: Koetter. Uninspirierend, langweilig, durchschaubar. Mehr Wörter müsste man gar nicht niederschreiben um das zu beschreiben, was unsere ehemaliger Offensive Coordinator mit unserer Offense angestellt (trainiert weigere ich mich zu schreiben) hat. So schaffte es Dirk


Koetter seine Plays in einer hypnotischen Regelmäßigkeit in einem Muster zu spielen, dass jeder Highschool-Defensive Coordinator, der zum ersten Mal in dieser Verantwortlichkeit steht, spätestens nach dem zweiten Drive wusste worauf er sich einzustellen hat. Koetter ließ in 66% seiner 1st Downs einen Pass spielen (2. hinter Houston) und das in einer


Saison in der der No. 1 Wide Receiver die meiste Zeit verletzt fehlte. Amüsanter wurde es dann in seinem Muster bei “Zweiter und lang”. Zu Schulzeiten hätte man sein Pausenbrot wetten können, was jetzt passieren wird. Koetter gab unseren „3,7 Yards/ Att-Rushern“ das Ei. So kam es, dass wir die fünft meisten 3rd downs in 2020 spielen “mussten”.


Erfolgsrate? 43%. Am Ende standen für Koetter 41 total Touchdowns – nur 9 Teams hatten weniger.

AUTSCH!

Das Schöne an einem Football-Abo? Man kann nach der Saison nochmals alle Spiele sehen. Als Falcons Fan sollte man vielleicht eher in eine Kneipe gehen und sich ein alkoholisches Getränk seiner Wahl bestellen, da das aber momentan nicht möglich ist blieb nur ersteres. Und damit begann eigentlich dieses Dilemma, ich wollte mir unsere Offensive Line genauer


anschauen. Überraschend zu hören wird vielleicht folgende Aussage sein: Per se blocken die Jungs gar nicht so schlecht, wie man es in der Nachbetrachtung erwarten mag. Oft scheiterte es eher an der “Übergabe”. Der zuvor zugeteilte Spieler muss an den Guard, Tackle oder TE “übergeben”werden, doch genau da sind die Defense Lions Spieler meißt


durchgebrochen. Wenn sich das verbessert zur nächsten Saison, erwarte ich schon erste sichtbare Verbesserungen für 2021. Interessant wird zu sehen sein, wie unser Center Mack ersetzt werden kann. Trotzdem bleibt aber unterm Schnitt: 41 sacks gegen Matt Ryan.

2. Leuchtturm

Jedes Team, egal in welcher Sportart, braucht Leader an dem es sich festhalten kann, aber es braucht ebenso die Spieler mit starken Mindset, die in die Bresche springen, wenn ein Leader (verletzungsbedingt) ausfällt. Jeder kennt Michael Jordan und nur die wenigstens Scottie Pippen oder Dennis Rodman,


doch wenn man MJ fragen würde: “Wie war der Erfolg in der NBA möglich?”, hätte er nicht gezögert diese beiden Namen zu nennen. Leichte Auflösungserscheinungen zeigte Quarterback Matt Ryan beim Ausfall von Wide Receiver Julio Jones. Zuvor spielte Ryan die Saison konstant mit einer 76% Completion Rate. Ohne Julio fiel diese deutlich herab auf 63%.


Wide Receiver Calvin Ridley fand sich öfter in Doubleteams gegenüber, Olamide Zaccheaus und Russel Gage ließen die Bälle zu häufig wieder fallen.

In der Defense stand Safety Keanu Neal zumeist ohne Free Safety Ricardo Allen und Damontae Kazee im Backfield. Die Nachrücker konnten ihr Mindset leider nicht aufs Feld bringen, so dass Keanu zum ersten Mal in seiner Karriere eine Saison mit 10 oder mehr Spielen beendete ohne einen einzigen forced fumble. Auch seine Pass Defense (10 oder


mehr Spiele in einer Saison) schrumpf von vorherigen 8 und 6 auf mickrige 2.

Was macht Hoffnung?

Run Defense

Diese Liste starte ich mit etwas Unerwarteten für dein Einen oder Anderen. Ja tatsächlich sind wir gegen den Lauf das 6.-Beste-Team gewesen. Entgegen anderer Teams ließen wir “nur” 1677 Yards über 16 Spiele zu. Deion Jones und Raheem Morris hatten das ziemlich gut im Griff.

Gefangen!

4620 Yards standen 2020 auch auf der Haben-Seite unserer Receiver. Es gab hier nur 5 Teams, die Calvin Ridley, Russell Gage & Haydn Hurst hier den Rang abgelaufen haben. Wie die Statistik mit einem gesunden Julio Jones & einem kreativeren Playbook ausgesehen hätte bleibt wohl für immer den Büchern “Was wäre wenn?” verborgen.

I’ll be there for you

Apropos verletzter Julio. Alle Staffeln der Serie “Friends” schaute sich wahrscheinlich Calvin Ridley an. Ohne auch nur einem einzigen Zuschauer im Mercedes-Benz Stadium einen Zweifel zu geben, ob man Jones wirklich schonen kann, nahm er die Rolle des No. 1 Wide Receivers an. 1374 Receiving Yards (5. Meisten der Liga) und 9 Touchdowns erlief sich


Ridley. Dabei verwandelte er 65 seiner 90 Attempts in 1st Downs und fumbled den Ball dabei nur ein einziges Mal. Calvin Ridley, ein wahrer Freund.

2. Frühling

Matty-Ice ist in dieser Offseason eine der Kontroveresen im Fanlager der Dirtybirds. Zu alt, zu immobil – zu oft liest man davon. Dabei lieferte Matt Ryan ordentlich ab. 4581 passing yards steck(te)n in Mattys Arm, da warfen nur 3 Quarterbacks mehr. Unter Ihnen: Watson & Mahomes – komischerweise wird über ihr Talent bei weitem seltener diskutiert.

Was bleibt ist die Mobilität. Ryan wird in diesem Leben kein mobiler Quarterback mehr. Hot take: Muss er auch nicht. Ich gebe zu ich schaue mir gerne Quarterbacks an wie Kyler Murray, Cam Newton (sorry) oder Lamar Jackson. Elegant laufen sie an der D-Line vorbei & vollenden den Lauf mit einem Salto über einen verirrten Safety, der sich seinen Nachmittag


wahrscheinlich auch anders vorgestellt hat, zu einem Touchdown. Spätestens im Dezember sieht man davon aber herzlich wenig. Eher sah ich in unserer Devision den 2. Quarterback bei den Carolina Panthers weil Cam verletzt war oder einen Playoff Anwärter, die Cardinals, in der letzten Saison. Die gaben im Dezember ihre Division Führung, ab weil Kyler Murray


Schulter hatte. Übrigens - der 3. Quarterback vor Ryan, dessen Name hier nicht genannt wird, holte sich dieses Jahr den Ring. Immer schön innerhalb der Pocket.

Gut kick!

Kicker Younghoe Koo ist wohl der Gewinner in Atlanta 2020. 37 Fieldgoals in 39 Versuchen kickte er in Punkte um. Hier würde jeder Bears Fan wohl Schnappatmung bekommen. Und dabei mag es Koo wohl eher competativ, denn alle seine 50+ Fieldgoals fanden ihren Flug zwischen die beiden Pfosten.

Ich hab dich!

Über die Einzelkämpfer in der Defense habe ich weiter oben schon viel geschrieben, umso erfreulicher – Foye Oloukun setzte letztes Season 117 Tackles (77 Solo). Ein Top-30 Wert unter allen Linebackern der Liga. Er bildete mit Linebacker Deion Jones ein starkes Tandem bei den Linebackern.

I am back

Unserer zukünfigter Hall of Famer Julio Jones wird nächstes Jahr wohl wieder mehr Snaps sehen. Gut für uns, noch besser für Calvin Ridley. Er hatte in 2020 ohnehin schon einen gewaltigen Sprung gemacht in seiner Leistungsfähigkeit. Erstmals in seiner NFL Karriere sah er sich den No. 1 Cornerbacks gegenüber und machte trotz dessen eine sehr gute Figur.


Mit der Rückkehr von Jones kann er diese neue Erfahrungen nun gegen die No. 2 Corners ausspielen.

Draftstrategie

Die letzten Drafts liefen eher suboptimal. Ex General Manager Thomas Dimitroff tradete gerne und zeigte oft die Bereitschaft in der Pickorder aufzusteigen. Das sorgte unter anderem für seinen Spitznamen “Trader Thomas”. Leider waren gerade seine uptrade picks oft die Schwächeren.

Hoffnung macht die Neubesetzung der Stelle in persona Terry Fontenot. Er bringt eine Masse an Erfahrung als Pro Scout & Assistant General Manager mit. Er hat von vornherein klar gemacht die Zukunft im Blick zu haben und signalisiert die Lust und Bereitschaft sich wahrhaftig reinzuknien.

So liegt der 4. Overall Pick dieses Jahr in der Geschäftsstelle in Atlanta und die Chance ist vorhanden diesen auf mehreren Wegen vergolden zu gönnen. Selten gab es in der Liga einen solchen Need auf der QB Position wie in diesem Jahr. Es liegt nun an Fontenot und Smith eine Strategie zu entwickeln und sich das aktuelle Roster zu begutachten.

Im Draft müssen sie leider ohne die Combines auskommen. Viele GMs & Coaches errechnen hierbei gerne den Explosivitäts-Faktor und gerne werden die Spieler auch mal zur Seite genommen und erste Gespräche geführt. Belicheck war bekannt dafür den Spielern ihre Tapes zu zeigen mit der Frage “Was hast du hier falsch gemacht?”.

Es fehlt nicht viel

Als letzten Punkt der Kategorie “Hoffnung” will ich unsere größte Schwäche ummünzen in die Stärke. Clock-Management. Jetzt bitte ich alle Falcons da draußen nicht die Arme in die Luft zu schmeißen und zu fluchen. Oft sahen wir wie der sichere Sieger aus und wurden im vierten Quarter eines Besseren belehrt – und alles spitzte sich im Spiel gegen die Lions zu,


als diese uns “einfach” zum Touchdown durchgelassen haben.

Ich persönlich habe aber das Vertrauen in unseren neuen Coaching Staff rund um Arthur Smith. Er wird ein Team vorfinden, das in der Lage ist sich Führungen zu erspielen. Nun braucht es nur noch einen fähigen Kapitän am Steuer, der diese Führungen in den sicheren Hafen fährt und Zeit von der Uhr nehmen kann.

Sollte ihm das gelingen braucht es nicht mehr viel für eine Winning Season.

Zu guter Letzt - Notables

Donnerwetter!

In Woche 7 gelang Keanu Neal in 2,2 Sekunden der 6 schnellste Sack der Saison

Das kam unerwartet

Calvin Ridley fing und lief in Woche 16 den 14.-Besten Unexpected Yard* Catch. So waren die zu erwarteten Yards 4 aber er erreichte 42 Im Running Bereich erlief das für uns Brian Hill in Woche 17. So waren 7 zu erwarten, doch er erreichte 62 Yards.


*Receiver X fängt den Ball ohne Verteidiger in seiner Nähe und erhält 10 Meter nach dem Fang. Receiver Y fängt den Ball in enger Deckung, bricht ein Tackle und gewinnt 5 Meter nach dem Fang. Welcher Yardgewinn ist unwahrscheinlicher? Expected Catch errechnet die Wahrscheinlichkeit eines Raumgewinnes nachdem der Receiver (Empfänger) den Ball gefangen hat.